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      Die Orgel in St. Marien/ Heilbad Heiligenstadt
                                                          Rückblick über 400 Jahre

 

Die älteste Orgel in St. Marien/ Heilbad Heiligenstadt stammte aus dem Jahre 1598. Der Oberamtmann Leopold von Strahlendorf sowie dessen Gemahlin, eine geborene M. von Dernbach, deren Wappen unter der Orgel angebracht waren, haben damals zur Errichtung des Werkes erheblich beigetragen. - Gegen den  Hochaltar zu las Johannes Wolf die Inschrift: "Gemacht ist dieses Werk durch Georgium Schaumbergk1598" gegen die Kirchentür zu: "Hans Neukirch von Mühlhausen hat dieses Werk gemalt anno 1598."

Im Jahre 1809 wurde zwischen dem damaligen Maire (Bürgermeister) von Heiligenstadt, Monecke,  und dem Pfarrer ad B. M. V., Franz Gottfried Würschmidt, - zugleich auch ab 1811 Bischöflicher Kommissarius - einerseits und dem Orgelbauer Simon Frankenberg aus Dingelstädt andererseits ein Vertrag geschlossen, wonach die alte Orgel um 350 Taler gründlich erneuert werden sollte. Zur teilweisen Aufbringung der Kosten wurde 1813 eine Sammlung von milden Gaben in der Stadt veranstaltet, die über 95 Taler ergab.

Bereits  1845 ist jedoch die Orgel wieder schadhaft. Aber erst am 24. Juli 1861 kam es zu einem Vertrag  des Pfarrers Joseph Nolte, der zu dieser Zeit schon 1. Propst an St. Marien war, mit dem Orgelbauer August Randebrock aus Paderborn, worin dieser sich verpflichtete,  für den Preis von 2041 Talern bis zum 15. August 1863 eine neue Orgel mit 3 Manualen und 28 klingenden Registern fertigzustellen.

Propst Johannes Lorenz - Nachfolger im Amt des 1. Propstes und Bischöflichen Kommissarius Joseph Nolte schreibt, - anlässlich seiner Einführung in Heiligenstadt 11.11.1863 - dass dieser Gottesdienst ohne Orgel stattfinden musste. Eine neue Orgel wurde gerade aufgebaut und aus dem Nachlass des Propstes Joseph Nolte bezahlt. Sie wurde Anfang Dezember fertiggestellt.  Diese Orgel, die noch auf der alten, über dem Turmjoche hinaus in die Schiffe der Kirche hineinragende Empore aufgestellt war, erfuhr in den Jahren 1888-93 verschiede Änderungen und Umbauten.

Nachdem in den folgenden Jahren die alte bis in die Schiffe der Kirche hineinragende Empore wieder beseitigt und eine neue Empore errichtet war, die nun den Raum der drei Turmjoche eingenommen hat, wurde die Orgel in den Raum des nördlichen Turmjoches gesetzt, wo sie bis zum Jahre 1941 blieb. (Der Organist saß in Richtung Norden direkt vor der Orgel.)

Zur Amtszeit des Bischöflichen Kommissarius und Propstes Karl Poppe wurde 1926 wiederum ein grundlegender Umbau der Orgel geplant. Die finanziellen Möglichkeiten waren jedoch zu dieser Zeit  sehr begrenzt. Angeschafft wurde damals ein neues Gebläse mit Regulatorbalg sowie ein elektrisch betriebener Lankhoff-Ventilator. Die Kosten der Anlage sollen aus den Bälgetretergebühren bei bestellten Ämtern und aus milden Gaben bezahlt werden. Am Osterfest 1926 kann die neue Anlage zum ersten Male gebraucht werden.

Nach dem Amtsantritt von Propst und Bischöflichen Kommissarius Robert Buch 1932 widmete sich dieser dem Projekt des Neubaus einer Orgel in langwierigen Gesprächen und Verhandlungen. So konnte 1940 der Neubau einer Orgel in Auftrag gegeben werden an die Gebrüder Späth in Ennetach-Mengen Württemberg. Die Chronik vermerkt, dass schon 1919 eine Renovierung der Orgel notwendig gewesen wäre. Es wurde damals das Gegenstück zum Raphonischen Altarbild nach Berlin verkauft. Mit dem Erlös sollte die Orgel erneuert werden. In der Inflation ist jedoch der Wert des Geldes verfallen. Die Orgel spielte sich über lange Jahre schwer; häufig versagten die Pfeifen oder es gab Schreitöne. Propst Buch erlebte den Einbau der Orgel nicht mehr und starb unerwartet anlässlich eines Kuraufenthaltes in Bad Nauheim am 18. Mai 1941.

Schneller als erwartet - nur wenige Tage nach der Beisetzung von Propst Buch - erhielt das Pfarramt die Mitteilung der Orgelbaufirma Späth, dass die neue Orgel kurzfristig vor der Auslieferung steht. So begannen am 09. Juni 1941 die Abbrucharbeiten der alten Orgel. Viele Hände halfen, vor allem die Messdiener. Keiner ließ sich durch den seit Jahrzehnten aufgespeicherten Staub stören. Überall in den Straßen ertönten die Orgelpfeifen. Schon nach wenigen Tagen konnte mit dem Aufbau der neuen  Orgel begonnen werden. Das Interesse und die Freude waren groß.

13. Juli 1941  Feierliche Einweihung der Orgel. Die letzte Orgelweihe war vor 77 Jahren. Domorganist Fritz Krieger aus Fulda führte die Orgel vor. Der Kirchenchor verschönte die Feier. Die Festpredigt hielt der Pfarrverweser Vikar Adolf Bolte. Die Beteiligung aus beiden Gemeinden St. Marien und St. AEgidien war groß.  Alle waren sich einig in dem Urteil: "Eine herrliche Orgel". Domorganist Krieger sagte in seinem Gutachten: "Eine Orgel von unerhört schöner Klangwirkung. Firma Späth hat ein Meisterwerk geschaffen. Möge diese Orgel viele Jahre zur Ehre Gottes und zur Freude der Gläubigen klingen und singen."

Auf Befehl der sowjetischen Besatzungsbehörde musste die Kapelle im Gefängnis Wilhelmstrasse 68 - (heute REWE-Markt) - am 18.02.1946 geräumt werden. Das sich in der Kapelle befindende Harmonium diente fortan in unserer Pfarrkirche bei Stromabschaltung und wurde auf der Orgelempore aufgestellt. In den ersten Jahren der Nachkriegszeit waren Stromabschaltungen soviel, wie nie zuvor. Es bestand zeitweilig ein Stromkontingent auch für die Kirche, das genau einzuhalten war; deshalb musste jede Einsparmöglichkeit genutzt werden, so auch für die Orgel.

01. Oktober 1962:       Zur Eröffnung der Rosenkranzandachten fehlt der Organist. Als der Vikar und der Küster auf der Orgelempore warten, hören sie in der Kammer, in der die Pfeifen stehen, Geräusche und Rumoren. Da es sich offensichtlich um einen Eindringling handelte, ließ der Vikar die Polizei holen. Ein alkoholisierter Kurgast hatte sich Zutritt zur Orgel verschafft und hatte erheblichen Schaden angerichtet.

20. Februar 1967:       Die Chronik nennt den  Abbau der Orgel - behelfsmäßig bleiben einige Register - gespielt wird von dem bereits am Choreingang aufgestellten Spieltisch aus. Am 04. September endet aber auch die zwischenzeitliche Lösung, denn es werden die beiden Seitenemporen abgerissen. Die Orgel wird für lange Zeit nicht mehr gespielt. Das Harmonium ist wieder die Rettung beim Kirchengesang.

1969:                          Die Orgelbauer lassen sich im März einmal sehen und versprechen, am Weißen Sonntag wiederzukommen. Am Jahresende erhebt sich die Frage, welchen Weißen-Sonntag sie wohl gemeint haben könnten. Die Orgel schweigt schon zwei Jahre. Erst 1970 geht es mit unserer Orgel wieder aufwärts.

Im Zusammenhang mit den umfangreichen Renovierungs-arbeiten Mitte der 1960er Jahre hat die Orgel nun ihren Platz im mittleren Bereich der Empore. Somit muss das Orgelwerk mit wenig Platz auskommen.. Leider führte auch kein Treppenaufgang zum Orgelstandort. Der Spieltisch stand im vorderen rechten Seitenschiff.

Für die Orgelpflege und die Unterhaltungsarbeiten musste über eine Leiter zum Orgelwerk hinauf gestiegen werden. Dieser Zustand musste 35 Jahre ertragen werden. Allerdings hatte sich der Kirchenvorstand Anfang der 1990er Jahre schon einmal der Frage einer Veränderung des Standortes für den Orgelspieltisch angenommen. Es gab damals die Vorstellung, den Spieltisch an das untere Ende des Mittelschiffs umzusetzen. Aber daraus wurde bekanntlich nichts.

Erst 2005 fasste der Kirchenvorstand auf Anregung des von Kirchenmusikdirektor Michael Taxer gegründeten "Förderverein für Kirchenmusik" (heute: "Freunde der Kirchenmusik im Eichsfeld") unserer Gemeinde den Beschluss zum Einbau einer erweiterten Empore, damit der Spieltisch und der Chor wieder einen würdigen Platz einnehmen  können. 40 Jahre zuvor waren die Emporen im nördlichen und südlichen Seitenschiff entfernt worden. Dieser Aktion fiel auch das sogenannte "Mannhaus" zum Opfer; insgesamt aber sollte diese Veränderung der Liturgie nach dem Konzil entsprechen.                                              

Nachdem für den gewünschten und notwendigen Einbau einer erweiterten Orgelempore in unserer Kirche von den zuständigen Behörden und Ämtern grünes Licht gegeben worden war, konnte mit den Arbeiten im September 2006 begonnen werden. Nach nur 3 Monaten Bauzeit war das Werk durch das gute Zusammenspiel der kirchlichen Gremien und beispielgebenden Arbeitselan der Bauleitung bis zum Weihnachtsfest geschafft worden. Genannt sei hier besonders das Verdienst des langjährigen Kirchenvostandsmitgliedes Franz Kastner, der Dank seiner umfangreichen Sach- und Fachkenntnisse unter Zusammenwirken mit der Metallbaufirma Hermann Nelz und weiteren Handwerksbetrieben, für unsere Kirche mit dem gelungenen Bauwerk "Empore" einen unermesslichen Beitrag geleistet hat.

Die Anschaffung eines neuen Spieltisches für die Orgel konnte dann 2007 erfolgen.

Das Orgelwerk selbst bedarf aber noch einer weiteren Erneuerung. Nur durch die beständige Pflegearbeit unseres Orgelbaumeisters Karl Brode konnte unsere Orgel immer wieder einsatzbereit gehalten werden und zum Lobe Gottes erklingen.

ah.

 

Programm

zur Weihe der neuen Orgel in der Propsteikirche ad B.M.V,
in Heiligenstadt am Sonntag, den 13. Juli 1941 nachm. 5 Uhr.
Die Orgel wurde erbaut von der Firma Gebr. Späth,
Ennetach-Mengen, Würt.-Päpstl.-Hoflieferant. op. 159

 

LOB DIR CHRITUS, UNSERM KÖNIG!

GRUß DIR MARIA; UNSERER PATRONIN!

 

VORTRAGSFOLGE:

 

I.         CHISTUS DEM KÖNIGE!

 

                        1.         Veni Creator Spiritus

                        2.         Ansprache und liturgische Weihe

                        3.         Freie Improvisation über das Lied: "O du mein Heiland"
                                   mit Vorführung der Orgel in ihrer Gesamtwirkung, die
                                   ausklingt in den Gemeindegesang Nr. 245 (Gesangbuch).

                        4.         Chorlied "Aeternae Rex" (Ewiger, höchster König) für
                                   4 gem. Stimmen mit Orgelbegleitung von Lorenz Benkert.

G E B E T

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                        5.         Praeludium und Fuge in d-Moll von J. S. Bach (1685 - 1750)

                        6.         Sanctus aus der Messe v. Maupai, op. 36 (Die Himmel rühmen)
                                   Benediktus aus der Messe v. Faist, op.56 (gem. Chor und Orgel).

G E B E T

                        7.         Praeludium in e-Moll v. N. Bruhns (1665 - 1697)

 

 

II.       DEM TOTEN KOMMISSARIUS PROPST BUCH ZUM GEDENKEN.

 

                        a.         Psalm 130:      Aus der Tiefe rufe ich zu dir...

                        b.         Trauerode, op. 145                 v. Max Reger (1873 - 1916)

                        c.         stilles Gebet

G E B E T

+ + +

 

III.      MARIA DER HIMMELSKÖNIGIN:

 

                        8.         Choral in a-Moll                        v. César Franck (1812 - 1890)

                        9.         Chorlied           "O, du eine"     v. Griesbacher (gem. Chor u. Orgel)

                        10.       Gemeindegesang:                  Gegrüßet seist du Königin (Nr. 190)

G E B E T

+ + +

                        11.       Lobgesang      "Groß ist der Herr"      v. Max Welcker, op. 90
                                                                                              (gem. Chor u. Orgel)

                        12.       Tantum ergo                                       v. Ett Gemeindegesang

                        13.       Ein Haus voll Glorie  schauet.              Gemeindegesang (Nr. 249)

                        14.       Das große Halleluja                             v. G. Fr. Händel (1685-1759).

 

+

 

"O Gott, segne, wir bitte Dich, dieses Orgelwerk, das für Deinen Dienst
bestimmt ist, und gib, dass Deine Gläubigen hienieden aufjubeln in
geistlichen Gesängen und so zu den ewigen Freuden gelangen!"
(Aus den Gebeten der Weihe)

 

                        Ausführende:              Domorganist Fritz Krieger/ Fulda - Orgel                                                                                Der Kirchenchor der Propsteipfarrei zu Heiligenstadt